Ukrainian-Austrian School of Pain Management
Vom 21. bis 23. Januar 2026 fand zum zweiten Mal die Ukrainian-Austrian School of Pain Management in Lwiw und Wynnyky statt – ein dreitägiger Intensivkurs für praktizierende Ärzte. Ziel war die Entwicklung grundlegender klinischer Kompetenzen in der Schmerztherapie auf Basis evidenzbasierter Medizin unter Berücksichtigung internationaler Best Practices. Die Veranstaltung wurde von der Danylo-Halytsky-Mediziniuniversität Lwiw in Zusammenarbeit mit dem Allukrainischen Zentrums für Kriegstrauma Superhumans und mit Unterstützung ukrainischer und österreichischer Partner organisiert.
Die Schule brachte Ärzte der Fachrichtungen Physikalische Medizin und Rehabilitation, Anästhesiologie, Neurologie und Psychotherapie zusammen, die Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen behandeln, darunter auch Schmerzen nach Verletzungen, Amputationen und Kampfverletzungen. Das Programm legte besonderen Wert auf einen interdisziplinären Ansatz in der Schmerztherapie und die Integration medizinischer, rehabilitativer und psychosozialer Aspekte der Behandlung.
Der erste Tag der Schule fand an der Danylo-Halytsky-Mediziniuniversität Lwiw statt und war den theoretischen Grundlagen der Schmerztherapie gewidmet. Nach der Registrierung der Teilnehmenden und den Begrüßungsworten der Organisatoren begann das Programm mit einem Überblick über die Physiologie des nozizeptiven Systems und die Mechanismen der Schmerzhemmung. Dies bildete die gemeinsame wissenschaftliche Grundlage für die weiteren Diskussionen.
Im Laufe des Tages befassten sich die Teilnehmenden detailliert mit den Mechanismen akuter, nozizeptiver und neuropathischer Schmerzen sowie mit dem Phänomen des Phantomschmerzes. Besonderes Augenmerk lag auf der Behandlung neuropathischer Schmerzen, posttraumatischer Belastungsstörung und dem Zusammenhang zwischen psychoemotionalen Störungen und Schmerzsyndromen. Am Nachmittag wurden aktuelle Behandlungsansätze für Phantomschmerzen vorgestellt, von der transkraniellen Magnetstimulation bis hin zu chirurgischen und therapeutischen Verfahren, einschließlich der Rolle der Physiotherapie. Der Tag schloss mit einer Fragerunde, in der die Teilnehmenden klinische Fälle diskutieren und praktische Aspekte der Anwendung des erworbenen Wissens klären konnten.
Der zweite Tag konzentrierte sich auf die eingehende Analyse einzelner Schmerzsyndrome und praktische Hilfsmittel für die Arbeit mit Patient:innen. Am Vormittag wurden Vorträge zu posttraumatischen Kopfschmerzen, Schleudertrauma und komplexem regionalem Schmerzsyndrom gehalten. Die Teilnehmenden überprüften Ansätze zur Diagnose, Stratifizierung und Behandlung dieser Erkrankungen gemäß internationaler klinischer Leitlinien.
Nach den theoretischen Einheiten ging das Programm in praktische Seminare in Kleingruppen über. Die Teilnehmenden bearbeiteten klinische Fälle, diskutierten Strategien zur Behandlung von Kopfschmerzen und neuropathischen Schmerzen sowie die Besonderheiten der Betreuung von Patienten mit komplexen Schmerzsyndromen. Dieses Format förderte den aktiven fachlichen Austausch zwischen ukrainischen und österreichischen Spezialisten und ermöglichte die Anpassung internationaler Erfahrungen an den ukrainischen klinischen Kontext. Der Tag schloss mit einer informellen gemeinsamen Veranstaltung, die zu einem wichtigen Element der Vernetzung und internationalen Zusammenarbeit wurde.
Der dritte Tag der Fortbildung fand im Allukrainischen Zentrums für Kriegstrauma Superhumans statt und war der praktischen Erfahrung in der Organisation eines Schmerzmanagementdienstes im Kontext der Arbeit mit Patient:innen nach schweren Verletzungen und Amputationen gewidmet. Die Teilnehmenden wurden in das Modell der Schmerzmanagementorganisation im Zentrum, den postoperativen Schmerzverlauf der Patienten und die Prinzipien der interdisziplinären Zusammenarbeit eingeführt.
In Vorträgen und Diskussionen wurden diverse Ansätze zur Beurteilung unterschiedlicher Schmerzarten im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen sowie die Rolle von Angst und Depression bei der Gestaltung des Schmerzerlebens von Patienten untersucht. Ein besonderer Programmpunkt war die Besichtigung des Zentrums, bei der die Teilnehmenden die praktische Umsetzung eines umfassenden Behandlungs- und Rehabilitationsansatzes kennenlernen konnten. Den Abschluss der Fortbildung bildete eine Feedbackrunde, in der die Teilnehmenden die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfassten und die Möglichkeiten ihrer weiteren Anwendung in der klinischen Praxis diskutierten.
Die Ukrainian-Austrian School of Pain Management ist weiterhin eine Plattform für fundierte professionelle Weiterbildung, praktischen Austausch und internationale Kooperation. Die Kombination aus theoretischen Vorträgen, praktischen Seminaren und der klinischen Erfahrung des Superhumans Centers ermöglichte es den Teilnehmenden, ein ganzheitliches Bild des modernen Schmerzmanagements zu gewinnen und interdisziplinäre Ansätze in der Behandlung von Patienten in der posttraumatischen und postkriegsmedizinischen Versorgung in der Ukraine zu stärken.
Die Veranstaltung wird von der Danylo-Halytsky-Mediziniuniversität Lwiw und dem Allukrainischen Zentrums für Kriegstrauma Superhumans mit Unterstützung des ukrainischen Gesundheitsministeriums, des Büros des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Verbraucherschutz an der Botschaft der Republik Österreich in Kyjiw, des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung, der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, der Klinik Ottakring in Wien, der Erste Stiftung, des Rotary Clubs Wien-Schönbrunn, des OeAD-Kooperationsbüros Lemberg und weiterer Partner organisiert.